Base und Bambus

Manila, Philippinen

Die Hilti Foundation unterstützt zahlreiche nachhaltige Projekte. Eines davon ist das 2013 gegründete „Base Bahay“. Mit ihm wird auf den Philippinen dem Wohnungsnotstand mit Bambus-Häusern begegnet, denn derzeit fehlt fur etwa 1,5 Millionen Haushalte bezahlbarer Wohnraum. Bambus-Unterkünfte sind ideal, weil sie wesentlich günstiger sind als Häuser aus Beton, Taifunen besser widerstehen und Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung schaffen. Nachfolgend ein paar Impressionen des Projekts.

Payatas-Manllas grösster Slum
Manila, die Hauptstadt der Philippinen, ist zugleich die Welthauptstadt der Obdachlosigkeit. Schätzungsweise fünf Millionen Männer, Frauen und Kinder schlafen hier unter Brücken, kriechen nachts unter Plastikplanen oder hausen in notdürftigen Hütten. In Zusammenarbeit mit der Organisation Base unterstützt die Hilti Foundation deshalb ein interessantes Hausbau-Projekt.

In Payatas, Manilas grösstem Slum, wohnt die Familie von Rebecca Bargan. In ihrer Baracke ist es heiss und stickig, drei Personen teilen sich einen Raum. Bei jedem Regen dringt Wasser durchs Dach, wenn es stürmt, drohen die Wände zusammenzubrechen. Und jedes laute Geräusch in der Nacht könnte von der Polizei stammen, die gekommen ist, um den Slum zu räumen. „Ein Haus, ein eigenes festes Haus. Das ist unser grösster Wunsch“, sagt Rebecca Bargan.

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Bambushäuser bei Tacloban
Diesen Traum hat sich die vierköpfige Familie Dural gerade erfüllt. Sie bezieht ihr eigenes Haus, das in einem grünen Tal ausserhalb der Stadt Tacloban im Nordosten der philippinischen Insel Leyte gelegen ist. Gebaut wurde das Haus von der gemeinnützigen Organisation Base, die von der Hilti Foundation getragen wird. Der Bau ist einstöckig, klein, schlicht und zum überwiegenden Teil besteht er aus – Bambus.

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Bambus schafft Arbeit
Johnnie Deguzmann ist schon etliche Male achtlos an den Bambuspflanzen vorbeigegangen. Sie wuchern auf den Philippinen ähnlich wild wie bei uns Brennesseln. Jetzt geben sie ihm Arbeit und bescheren ihm ein gutes Nebeneinkommen. Fünf, sechs  Mal muss er ausholen, bis der Stängel der Pflanze sich neigt, einige Dutzend schafft der Landarbeiter am Tag. In einer nahe gelegenen Werkstatt werden die Stangen auf 2,40 Meter Länge gesägt und gebeizt. In einen Holzrahmen gefügt, bilden sie später eine Hauswand.

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Ideales Material
Die Idee dazu, dass Bambus in der Region ein guter Baustoff sein könnte, kam der 31-jährigen Bauingenieurin Corinna Salzer bei einer Fahrt durch die philippinische Provinz. Im Landesinneren entdeckte die Deutsche, die zum Base-Team gehört, eine Hütte aus Bambus – und war wie elektrisiert.
Sie begann, die Eigenschaften von Bambus zu recherchieren. Und je mehr sie über die Pflanze erfuhr, desto sicherer war sie, das ideale Material gefunden zu haben. Anschliessend zog sie für drei Monate in den Slum nach Payatas, um mit den dort lebenden Familien zu sprechen und ihre Bedürfnisse hinsichtlich eines kleinen Hauses besser kennenzulernen.

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Nichts wächst schneller
Bambus hat hervorragende Eigenschaften: Einige Sorten können bis zu drei Meter am Tag kerzengerade in die Höhe schiessen,
die Stängel sind schier unverwüstlich, witterungsbeständig, elastisch und leicht. Bambus ist innen hohl und dämmt gut. Das
alles gilt zumindest für Exemplare in jenen Gegenden, wo Bambus von Natur aus zuhause ist: in den Tropen und Subtropen. Aus einem Überfluss an Wärme, Licht, Regen und Nährstoffen schöpfen die Pflanzen dort ihre Grösse und Stärke – nach drei bis fünf Jahren besitzen sie die Widerstandskraft von Hartholz. Bei Tests überstanden Bambushäuser auch Taifune, Häuser aus Beton fielen dagegen in sich zusammen.

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Taclobans „Gemeinde der Hoffnung“
Wer die Stadt Tacloban auf der Insel Leyte in südlicher Richtung verlässt, erreicht nach etwa zehn Kilometern Fahrt das Ortsschild „Community of Hope“. Die „Gemeinde der Hoffnung“ besteht aus rund 60 in Pastelltönen getünchten Bambushäusern. Das Haus mit der Nummer 12 ist lilafarben und gehört Familie Dural. Mutter Reagan strahlt über das ganze Gesicht: „Wir sind superhappy und unendlich dankbar.“ Im Moment gibt hier der Bau von Bambushäusern rund 200 Menschen Arbeit.
Angefangen mit Johnnie Deguzmann, der den Bambus erntet, über die Männer, die ihn zersägen, bis zu Hazem Fadrigo und seinem Trupp, der die Häuser baut. Wenn die Idee des Bambushauses taugt, dann wird sie sich in Zukunft alleine tragen und weiter verbreiten.

Optimistisch in Payatas
In Payatas ist Rebecca Bargan ihrem Traum vom eigenen Heim ebenfalls einen Schritt näher gekommen. Sie hat gehört, dass am Rande des Slums eine kleine Siedlung aus Bambushäusern entstehen soll. Familie Bargan hat sich sofort um eines beworben.

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