2025: Ein Jahr voller Höhepunkte für Goddio
Es war ein spannendes Jahr für Goddio und sein Team vom Europäischen Institut für Unterwasserarchäologie (IEASM). Ihre kontinuierliche Forschungsarbeit an den versunkenen Städten vor der Küste Ägyptens hat aufs Neue faszinierende Einblicke in das Leben alter Zivilisationen geliefert. Die Erfolge des Teams unterstreichen einmal mehr die Wichtigkeit dieses langfristigen archäologischen Projekts, das unser Wissen über verloren geglaubte Kapitel der Menschheitsgeschichte stetig erweitert. Wir sind schon gespannt auf die Forschungsergebnisse und Erkenntnisse, die Franck Goddio im neuen Jahr gewinnen wird.
Bedeutender Fund im östlichen Hafen von Alexandria
Während der Grabungsmission im Herbst 2025 im Hafen der Königsinsel Antirhodos, im grossen Portus Magnus von Alexandria, entdeckte das IEASM zum ersten Mal die gut erhaltenen Holzbalken eines Schiffswracks, das zu den berühmten antiken Vergnügungsbooten Ägyptens gehörte. Das Boot muss einst 35 Meter lang und etwa 7 Meter breit gewesen sein. Es war so konstruiert, dass es eine maximale Breite hatte, um einen zentralen Pavillon zu tragen. Schon der antike Autor Strabon beschrieb diesen Bootstyp, als er Alexandria um 29-25 v. Chr. besuchte: „... sie feiern Feste in Kabinenbooten (thalamagoi), in denen sie in die Dichte der Cyami und den Schatten der Blätter eintauchen.“
Franck Goddio kann sich auch eine rituelle Nutzung des Bootes vorstellen, da es ganz in der Nähe der Ausgrabungsstätte am Isis Tempel auf der Insel Antirhodos gefunden wurde. Die Forschungsarbeiten am Wrack befindet sich noch in einem frühen Stadium, versprechen aber schon jetzt eine faszinierende Reise in das Leben, die Religion, den Luxus und die Vergnügungen auf den Wasserstrassen des frühen römischen Ägyptens.
Nahaufnahme der gut erhaltenen Holzbalken eines alten ägyptischen Vergnügungsbootes, das vom IEASM im Hafen von Alexandria entdeckt wurde.
Christoph Gerigk © Franck Goddio / Hilti Foundation
Bedeutende Ausstellungseröffnung: Das Grand Egyptian Museum
Anfang November öffnete das Grand Egyptian Museum (GEM), das weltweit grösste archäologische Museum, in einer feierlichen Zeremonie seine Türen auf dem Gizeh-Plateau in der Nähe von Kairo. Eine Auswahl von 132 Objekten, die Goddios Team in Thonis-Herakleion, Kanopus und im östlichen Hafen von Alexandria entdeckt hat, ist nun Teil der permanenten Ausstellung im GEM und bereichert dessen Sammlung über die Spätzeit Ägyptens.
„Wir sind stolz, mit unserer Arbeit einen Beitrag zur beeindruckenden Sammlung des GEM leisten zu können“, sagt Franck Goddio. „Eines unserer Ziele ist es, unsere Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen, und was könnte besser sein, als sie in diesem faszinierenden Museum zu präsentieren.“
Zu den ausgestellten Objekten gehören drei kolossale Statuen eines ptolemäischen Königs, einer Königin und des Gottes Hapi, die alle etwa 5 Meter hoch sind. Sie gehörten zu den ersten spektakulären Funden, die das IEASM in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer und mit Unterstützung der Hilti Foundation in der versunkenen antiken Stadt Thonis-Herakleion gemacht hat. Das Team barg sie damals, zerbrochen in mehrere Fragmente, in unmittelbarer Nähe des grossen Amun-Tempels auf der zentralen Insel der Stadt. Die Statuen markieren einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Ikonographie der griechisch-makedonischen Dynastie. Sie sind bei weitem die am besten erhaltenen grossen Darstellungen im pharaonischen Stil, die von ptolemäischen Herrschern existieren.
Nach jahrelangen sorgfältigen Ausgrabungen, Restaurierungen und Untersuchungen machten sich das Königspaar und der Gott Hapy auf eine Reise um die Welt. Im Rahmen der Ausstellungstournee „Ägyptens versunkene Schätze/Städte“ wurden sie einem breiten Publikum in Europa, den USA und Japan präsentiert und faszinierten Millionen von Besuchern. Mit dem neuen GEM haben sie nun ihre endgültige Heimat gefunden. Weitere Sammlungen von Artefakten, die von Goddios Team entdeckt wurden, sind dauerhaft in Alexandria, im Griechisch-Römischen Museum und im Nationalmuseum, ausgestellt.
Bedeutende Publikation: Archäologische Funde belegen Existenz eines Isis-Tempels in Alexandria
Seit 1996 wurden die Überreste eines Tempels auf der versunkenen Insel Antirhodos im östlichen Hafen von Alexandria – dem antiken Portus Magnus – vom IEASM nach und nach entdeckt, ausgegraben und identifiziert. Jüngste Funde belegen, dass der Tempel als Heiligtum für den Personenkult sowohl von Ptolemäus XII. als Neo-Osiris-Dionysos als auch seiner Tochter, der berühmten Kleopatra VII. als Nea Isis-Aphrodite, diente. Alle Ergebnisse dieser langjährigen Forschungsarbeit wurden nun in einem Buch zusammengefasst und vom Oxford Centre for Maritime Archaeology (OCMA) unter dem Titel „The Iseum of the Royal Island of Antirhodos” veröffentlicht.
„Aufgrund der archäologischen Funde können wir den Tempel der Isis, das Iseum, nun sehr gut rekonstruieren”, sagt Franck Goddio. „Die Forschungsergebnisse zeigen, dass er mehrere Phasen der Renovierung und Erweiterung durchlief, bevor er Mitte der 50er Jahre n. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde.” Funde aus seiner Gründungsphase im 3. Jahrhundert v. Chr. haben es ermöglicht, ihn als Tempel des Gottes Osiris zu identifizieren. Die Entdeckung dieser frühen Phase wurde durch den Einsatz neuer geophysikalischer Geräte unterstützt, mit denen das Team die Ausgrabungen in den frühesten Ablagerungen des Tempels sorgfältig lokalisieren konnte. Experten stufen die Entdeckung des Isis-Tempels als bedeutenden Meilenstein in der Erforschung von Kleopatra VII. ein. „Alexandria mit seinen königlichen Quartieren und der königlichen Insel Antirhodos war Kleopatras Basis, von der aus sie regierte und Allianzen schmiedete“, erklärt Prof. Damian Robinson von der Universität Oxford. „Mit der Entdeckung des Isis-Tempels befinden wir uns nun im Epizentrum ihrer Herrschaft.“
Die Princess Duda wurde von Grund auf komplett renoviert.
Christoph Gerigk © Franck Goddio / Hilti Foundation
Bedeutende Sanierung des Forschungsschiffs Princess Duda
Das Forschungsschiff Princess Duda ist seit 27 Jahren ein treuer Begleiter des IEASM und dient dem Team als zuverlässige Basis während der jährlichen Ausgrabungsmissionen vor der Küste Ägyptens. Mit der Zeit zeigten sich jedoch deutliche Alterungsspuren. Mit Unterstützung der Hilti Foundation wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen beschlossen, um es wieder voll funktionstüchtig zu machen. Dieses ehrgeizige Unterfangen umfasste eine einjährige Komplettüberholung in der Tringali-Werft in Augusta, Sizilien. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Princess Duda wurde von Grund auf renoviert und ist nun bereit, das Team für weitere 25 Jahre voller Erkundungen und Entdeckungen zu unterstützen.