Projektankündigung: Start der dualen Berufsausbildung PropelA in Kenia
Erste duale Berufsausbildung in Ostafrika
Das Berufsbildungssystem Ostafrikas besteht hauptsächlich aus Universitäten, aber nicht jeder Abiturient hat die Möglichkeit, eine Universität zu besuchen. Infolgedessen hoffen Millionen arbeitsloser junger Menschen in ostafrikanischen Städten, als ungelernte Tagelöhner ein paar Dollar zu verdienen, unfähig, sich selbst ein menschenwürdiges Leben aufzubauen. Gleichzeitig haben Unternehmen einen enormen Bedarf an Fachkräften.
Um diese Lücke zu schließen, hat die Hilti Foundation die duale Berufsbildungsinitiative “PropelA” ins Leben gerufen, die sich an städtische Jugendliche richtet, um ihnen eine Perspektive für ein nachhaltiges Leben zu bieten. Das Projekt ist nun mit 120 Auszubildenden und 24 Elektro- und Sanitärunternehmen sowie 2 Privatschulen und NITA (National Industrial Training Authority) gestartet, die dieses einzigartige Bildungsmodell in Kenia umsetzen. Ziel der Hilti Foundation ist es, eine duale Berufsbildung zu etablieren, die alle für einen systemischen Wandel erforderlichen Elemente kombiniert: Dazu gehören eine engagierte Industrie, Schulen mit der richtigen Ausstattung und den passenden Werkzeugen, gut ausgebildete Lehrer, die nach dem geeigneten und staatlich anerkannten Lehrplan unterrichten, fortlaufende Schulungspläne für Unternehmenscoaches und Lehrer sowie eine nachhaltige Finanzierung.
“Diese Initiative bietet eine Ausbildung, die den Bedürfnissen des Marktes entspricht und jungen Menschen die Möglichkeit gibt, langfristige berufliche Perspektiven aufzubauen”, erklärt Werner Wallner, CEO der Hilti Foundation.
Wie 100 Jahre Schweizer Expertise in dualer Bildung kenianische Bedürfnisse erfüllt
Bei der Marktanalyse stellte sich heraus, dass viele Unternehmen bereit sind zu investieren in ein Programm, das ihren Bedarf an Fachkräften deckt, da die derzeitigen Bildungssysteme nicht die auf dem Markt geforderten Fähigkeiten hervorbringen. Eine von der Hilti Foundation organisierte Bildungsreise in die Schweiz brachte zehn kenianische Unternehmen und zwei (private) Schulen dazu, tief in die duale Ausbildung einzutauchen: Workshops mit Schweizer Unternehmen aller Größen, Auszubildenden, Behörden, Verbänden und Berufsschulen, die die Besucher schlichtweg begeisterten.
Zusammen mit Schweizer Experten, die auf 100 Jahre duale Ausbildung zurückblicken können, entwickelte ein kenianisches Expertenteam einen erstklassigen Lehrplan, der den Bedürfnissen der Privatwirtschaft entspricht. Für jedes Semester beschreibt er die Ausbildungsinhalte in den Unternehmen sowie das theoretische und praktische Lernen an den Berufsschulen. Die Initiative umfasst auch die fortlaufende Weiterbildung von Lehrkräften und betrieblichen Ausbildern, die die Auszubildenden betreuen sollen.
Das Schweizer Expertenteam half nicht nur bei der Definition der Lehrpläne und der Technologie, sondern auch dabei, die moderne Gestaltung der Schulen gemäss den neuesten Entwicklungen in der Schweizer Berufsbildung zu entwerfen. Die Schulen wurden mit hochwertigen Geräten und Werkzeugen sowie mit auf dem lokalen Markt verwendeten Materialien ausgestattet.
Stand November 2022 haben 120 Auszubildende ihre duale Berufsausbildung begonnen. Sie haben einen Ausbildungsvertrag mit Gehalt und Sozialleistungen unterzeichnet und erwarten, nach zwei Jahren ein offizielles nationales Diplom zu erhalten.
Ausblick & nächste Schritte
Im Jahr 2023 plant die Hilti Foundation, mit führenden kenianischen Unternehmen zusammenzuarbeiten, um ein Konzept für Wirtschaftsverbände zu entwickeln, die Nachhaltigkeit des Ausbildungssystems zu gewährleisten, die Bildung weiterzuentwickeln und den Lehrplan an die Marktentwicklung anzupassen. Sobald die Qualität des Bildungsprogramms im Jahr 2023 gesichert ist, wird das Projekt hochskaliert. Bis 2025 soll eine Marktabdeckung von 80 % durch 70 teilnehmende Unternehmen und 1’000 Auszubildende erreicht werden.
„Unser Ziel mit dieser Initiative ist es, ein Leuchtturmprojekt zu schaffen, das auf andere Bauberufe und hoffentlich mit der Zeit auch auf andere Berufe übertragen werden kann“, schliesst Werner Wallner.
Schlüsselkriterien für eine nachhaltige duale Berufsausbildung
Von der Industrie getragen. Eine duale Berufsausbildung (DVT) kann nicht ohne Unternehmer umgesetzt werden, die bereit sind, in ihren Unternehmen auszubilden.
Nachhaltig finanziert durch die Privatwirtschaft und die Regierung.
Marktgerechte Ausbildung mit einem Lehrplan, der die von Unternehmen benötigten Fähigkeiten vermittelt.
Von nationalen Behörden zertifiziert. Die DVT ist eine staatliche Einrichtung, daher müssen Unternehmen, Schulen, Lehrkräfte, Lehrpläne und das Diplom von NITA (National Industrial Training Authority) zertifiziert werden.
Fakten & Zahlen
24 Unternehmen mit 40 betrieblichen Ausbildern
2 Schulen mit modernem Layout und Ausstattung
4 neue Lehrkräfte, von Schweizer Experten ausgebildet
120 sorgfältig ausgewählte Auszubildende
Erstklassige Lehrpläne, die den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechen
Lernzentrierter Unterricht
Fortlaufende Weiterbildung für Lehrkräfte und Ausbilder
Nationales Diplom (NITA)
Arbeit an einem Konzept für Verbände
Anstreben einer Marktabdeckung von 80 % (70 Unternehmen und 1 000 Auszubildende)
Ausbildungs- und Lernmethoden
Lehrkräfte und betriebliche Ausbilder müssen regelmässig in Bezug auf Lehrpläne, neue Technologien und lernzentrierten Unterricht geschult werden. Es geht um die Auszubildenden: Was müssen sie im Unternehmen tun? Was müssen sie in der Schule und was in der Werkstatt lernen?
Projektfinanzierung
Während die Hilti Foundation die meisten Kosten in der Aufbauphase übernommen hat, werden die Unternehmen in der Betriebsphase von 2023 bis 2025 in die Ausbildung ihrer Unternehmenscoaches, die Bezahlung der Auszubildenden und die Schulgebühren investieren. Diese Gebühren ermöglichen es den Schulen, ihre Ausgaben zu decken und einen kleinen Gewinn zu erzielen. Wenn sie neben der Qualität auch die finanzielle Attraktivität der Ausbildung erkennen, werden mehr Schulen auf das duale Berufsbildungsprogramm umstellen. Je besser sie abschneiden, desto mehr Schüler werden die Unternehmen entsenden und desto mehr Geld werden sie erhalten.