Neue archäologische Schätze in der Bucht von Abukir gefunden

Franck Goddio und sein Team entdecken eine Galeere in der versunkenen Stadt Thonis-Herakleion

Seit 25 Jahren arbeitet das Europäische Institut für Unterwasserarchäologie (IEASM) unter der Leitung von Franck Goddio in der Region des Nildeltas in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer. Dieses einzigartige Forschungsprojekt wird seit seiner Gründung von der Hilti Foundation finanziert. Während die Ausgrabungsarbeiten im letzten Jahr pandemiebedingt unterbrochen werden mussten, war die jüngste Forschungskampagne im Frühjahr 2021 von beeindruckenden Ergebnissen geprägt.

Gewaltige Blöcke des zerstörten Amun-Tempels in Thonis-Herakleion stürzten auf eine daneben festgemachte Galeere und versenkten sie. 2. Jahrhundert v. Chr. 

ChristophGerigk© FranckGoddio/Hilti Foundation 

Einer der bemerkenswertesten Funde ist der einer ptolemäischen Galeere, die aus der versunkenen Stadt Thonis-Herakleion in der Bucht von Abukir geborgen wurde. Sie sank wahrscheinlich, als große Gesteinsbrocken des berühmten Amun-Tempels, der im 2. Jahrhundert v. Chr. durch ein Erdbeben vollständig zerstört wurde, auf sie fielen. Die Galeere muss zum Zeitpunkt der Katastrophe entlang der südlichen Fassade des Tempels festgemacht gewesen sein. Überreste des Bootes konnten Jahrtausende lang am Grund des tiefen Kanals, geschützt durch die Ruinen des Tempels, erhalten bleiben. Die Galeere, die mithilfe des Prototyps eines neuen sedimentären Echolots entdeckt wurde, liegt zusammen mit den Überresten des Tempels unter einer nahezu fünf Meter dicken Schicht aus hartem Ton.

„Ein solcher Fund von schnellen Galeeren aus dieser Zeit ist extrem selten“, erklärt Franck Goddio, „Das einzige andere bekannte Schiff dieses Typs ist das punische Marsala-Boot (235 v. Chr.), das 1969 vor der Küste Siziliens entdeckt wurde. Vor dieser Entdeckung waren hellenistische Schiffe dieses Typs den Archäologen völlig unbekannt. Unsere vorläufige Studie zeigt, dass der Rumpf dieser Galeere in der klassischen Tradition gebaut wurde und auf langen Zapfenverbindungen und einer gut entwickelten Innenstruktur basierte. Sie enthält jedoch auch Merkmale der altägyptischen Bauweise und lässt uns von einem gemischten Bautyp sprechen. Es war ein Ruderboot, das auch mit einem großen Segel ausgestattet war, wie eine Mastspur von beträchtlichen Dimensionen zeigt. Dieses Langboot war flachbädig und hatte einen flachen Kiel, was für die Navigation auf dem Nil und im Delta recht vorteilhaft war. Einige typische altägyptische Schiffbaumerkmale, zusammen mit dem Hinweis auf eine Wiederverwendung von Holz im Schiff, deuten darauf hin, dass es in Ägypten gebaut wurde. Mit einer Länge von mehr als 25 m hatte es ein Längen-Breiten-Verhältnis von fast 6 zu 1.“


Kostbare Opfergaben, darunter importierte griechische Keramik, wurden von den griechischen Siedlern in Thonis-Herakleion zu Bestattungszwecken niedergelegt. Ende 5., Anfang 4. Jahrhundert v. Chr. 

ChristophGerigk© FranckGoddio/Hilti Foundation 


Der Gott Bes galt als Beschützer der Menschen in ihrem täglichen Leben. Er wurde auch als Beschützer der schwangeren Frauen verehrt. Gold, 5.-4. Jahrhundert v. Chr., Thonis-Herakleion. 

ChristophGerigk© FranckGoddio/Hilti Foundation 

In einem anderen Teil der Stadt enthüllte ein Hügelgrab, das sich entlang des nordöstlichen Eingangskanals erstreckte, Überreste eines großen griechischen Gräberfeldes, das mit prächtigen Grabbeigaben bedeckt war. Sie stammen aus den allerersten Jahren des 4. Jahrhunderts v. Chr. Diese Entdeckung veranschaulicht auf wunderbare Weise die Präsenz griechischer Kaufleute und Söldner, die in Thonis-Herakleion lebten, der Stadt, die den Zugang zu Ägypten an der Mündung des kanopischen Nilarmes kontrollierte. Den Griechen war es in der spätpharaonischen Zeit erlaubt, sich in der Stadt niederzulassen. Sie bauten ihre eigenen Heiligtümer in der Nähe des riesigen Amun-Tempels. Diese wurden ebenfalls in der Katastrophe zerstört, und ihre Überreste sind mit denen des ägyptischen Tempels vermischt.

Wichtige Überreste des Amun-Tempels rutschten bei einem Erdrutsch, der durch ein Verflüssigungsereignis verursacht wurde, in den tiefen Kanal. Sie wurden in makellosem Zustand gefunden. Sie zeugen vom Reichtum der Heiligtümer in Thonis-Herakleion, die heute 7 Kilometer von der heutigen Küste Ägyptens entfernt unter dem Meer liegen. Thonis-Herakleion war jahrhundertelang der größte Hafen Ägyptens am Mittelmeer, bevor Alexander der Große 331 v. Chr. Alexandria gründete. Mehrere Erdbeben, gefolgt von Flutwellen, die Bodenverflüssigungsereignisse auslösten, führten dazu, dass ein 110 Quadratkilometer großer Teil des Nildeltas unter dem Meer versank und dabei die Städte Thonis-Herakleion und Kanopus mit sich riss. Beide Städte wurden vom IEASM in den Jahren 2000 bzw. 1999 wiederentdeckt.

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