Wie Titus durch das PropelA-Programm Fähigkeiten, Liebe und eine Zukunft fand

Titus hat die kenianischen Vorausscheidungen für den WorldSkills-Wettbewerb gewonnen und wird sein Land beim afrikanischen Finale in Sambia vertreten.

Titus Njoroge hatte nicht erwartet, dass das PropelA-Programm sein Leben so grundlegend verändern würde.

Er hoffte, dass er in dem zweijährigen dualen Ausbildungsgang lernen würde, wie man Klempner wird. Er betete, dass er am Ende einen Arbeitsplatz finden würde. Aber er hatte nicht damit gerechnet, Selbstvertrauen, einen Lebenssinn – und Liebe zu finden. Am Ende bekam er alles drei.

Als junger Mann, der jede Gelegenheit mit Begeisterung ergreift, hätte Titus vielleicht nicht überrascht sein sollen. In seinem zweiten Jahr gewann er die kenianischen Vorausscheidungen des WorldSkills-Wettbewerbs und vertrat sein Land später im selben Jahr bei den afrikanischen Endausscheidungen in Sambia. Sobald er im Januar 2025 seinen Abschluss gemacht hatte, bot ihm Allied Plumbers, eines der ältesten und renommiertesten Unternehmen der Branche, eine Vollzeitstelle an. 

Heute ist er Techniker bei ihrem Vorzeigeprojekt: einem vom Präsidenten unterstützten Programm für bezahlbaren Wohnraum, das 10.000 Einwohnern in Kibera, Nairobis größter informeller Siedlung, neue Wohnungen verschafft.

Aber das Leben sah nicht immer so vielversprechend aus.

Titus wuchs in einem Bergdorf außerhalb von Nairobi auf. Seine Familie war arm – so arm, dass Mittagessen ein Luxus war. Manchmal gab es überhaupt nichts zu essen. An solchen Tagen stellten seine Eltern einen Topf auf den Holzkohleofen und taten so, als würden sie kochen, in der Hoffnung, dass ihre Kinder einschlafen würden, bevor sie die Wahrheit bemerkten.

„Sie wollten uns nicht sagen, dass es nichts zu essen gab“, erinnert sich Titus. „Sie sagten, das Essen würde gerade zubereitet, aber sie kochten buchstäblich nur Wasser.“

In der Schule war es nicht besser. Die Lehrer setzte den Rohrstock ein, Mobbing war weit verbreitet. Dennoch begann genau hier Titus' Traum. Seine Schule hatte kein fließendes Wasser – die Schüler brachten ihr eigenes mit, um zu trinken, die Böden zu reinigen und die Toiletten zu spülen. Er beschloss, dieses Problem eines Tages zu lösen.

Titus war ein guter Schüler und arbeitete hart. Doch eines Tages erhielten seine Ambitionen einen herben Dämpfer. Da seine Eltern sich die Schulgebühren für alle drei Söhne nicht leisten konnten, baten sie ihn, die Schule zu verlassen und einen Job zu suchen, damit seine Brüder ihre Ausbildung fortsetzen konnten. Das war ein niederschmetternder Moment.

„Zuerst war es schwer zu verstehen ‚Warum ich?‘“, sagt er. „Warum muss ausgerechnet ich meine Ausbildung abbrechen? Habe ich nicht gut gearbeitet? Aber mit der Zeit habe ich es verstanden. Es war schwer, uns alle in der Schule zu halten.“

Titus nahm einen Job in einem Baumarkt an und gab den größten Teil seines Monatslohns von etwa 95 Euro seinen Eltern, um die Schulgebühren seiner Brüder zu bezahlen. Um sein Einkommen aufzubessern, hütete er abends Kühe. Inspiriert von den Klempnern, die in den Laden kamen, sparte er den Rest seines Gehalts für einen eigenen Kurs. Ein Onkel half ihm, die fehlende Summe aufzubringen, und er schrieb sich für einen zweijährigen Klempnerkurs ein.

Es hätte ein Neuanfang sein sollen. Als er jedoch auf einer Krankenhausbaustelle in einer Vorstadt von Nairobi zu arbeiten begann, wurde ihm schnell klar, dass der Kurs ihn nicht auf die reale Welt vorbereitet hatte. Er machte Fehler. Sein Selbstvertrauen schwand.

PropelA bot Titus die praxisnahe Ausbildung, die ihm in seinem früheren Kurs gefehlt hatte und verband dabei praktische Erfahrungen vor Ort mit fachkundiger Betreuung in Workshops.

Dann hörte er von PropelA. Das von der Hilti Foundation unterstützte Programm adaptiert das duale Berufsbildungsmodell der Schweiz für Kenia und verbindet theoretischen Unterricht mit drei Wochen praktischer Erfahrung pro Monat. Es war das Jahr 2021, und das Projekt war noch nicht offiziell gestartet. Aber die Schweizer Experten, die nach Kenia geflogen waren, um lokale Ausbilder zu schulen, brauchten freiwillige Auszubildende, um das Modell zu testen. Titus zögerte nicht und schrieb sich schließlich in die erste Kohorte von PropelA ein, die im Januar 2025 ihren Abschluss machte.

Was er dort vorfand, verblüffte ihn. 

Während sein früherer Kurs fast ausschließlich theoretisch gewesen war, lernte er bei PropelA, reale Probleme zu lösen. Er absolvierte seine Ausbildung bei Allied Plumbers, einem von über 40 Unternehmen, die sich dem Programm angeschlossen hatten, um Stipendien, Mentoring und Ausbildungsplätze anzubieten. Eine Woche pro Monat verbrachte er in den gut ausgestatteten Werkstätten von PropelA, wo er unter fachkundiger Aufsicht komplexe Aufgaben üben konnte.

„Es gibt keine Klempnerarbeit, die ich jetzt nicht ausführen kann“, sagt er. „Wenn ich etwas vor Ort nicht verstanden habe, konnte ich es im Labor mit meinen Lehrern üben.“

Seine Vorgesetzten erkannten schnell seinen Wert, und so entwickelte sich seine Ausbildung zu einer Vollzeitstelle als Techniker. 

„Als ich meinen ersten Kurs abgeschlossen hatte, hatte ich keinerlei Fähigkeiten“, sagte er. „Ich war sehr unerfahren. Das PropelA-Programm vermittelte mir sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Fähigkeiten. Das ist es, was es so besonders macht.“

Durch das PropelA-Programm hat Titus neue Fähigkeiten erworben, Liebe gefunden und eine Zukunft für sich entdeckt.

Aber PropelA hat Titus nicht nur einen Beruf vermittelt – es hat ihm auch Lucy geschenkt.

Sie war eine Kollegin in der Ausbildung, die ihm über die Werkbank hinweg aufgefallen war. PropelA hat auch ihr geholfen: Nach ihrem Abschluss bekam sie eine Stelle bei Davis & Shirtliff, dem führenden Anbieter von Wasser- und Energieanlagen in Ostafrika. Seitdem leben die beiden zusammen in einem kleinen Haus in den Hügeln nordwestlich von Nairobi. Der Arbeitsweg ist lang, aber die Luft ist sauber, im Garten gibt es Hühner und am Wochenende Zeit für lange romantische Spaziergänge auf dem Land.

Für Titus bietet das Leben nun die Sicherheit und Hoffnung, die einst unerreichbar schienen.

„Hätte ich mich an den kenianischen Lehrplan gehalten, hätte ich zehn Jahre gebraucht, um dorthin zu gelangen, wo ich heute bin“, sagt er. „Meine größte Hoffnung ist, dass sich der kenianische Lehrplan nun so ändert, dass diese Art von Ausbildungsmodell zur Norm wird.“

Das könnte einige Zeit dauern. Heute nehmen nur etwa sechs Prozent der kenianischen Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren an Berufsausbildungsprogrammen teil – viel zu wenige, um den wachsenden Bedarf des Landes an Fachkräften zu decken.

Titus weiß, wie viel er gewonnen hat – und wie weit er gekommen ist. Jetzt möchte er, dass mehr junge Kenianer die gleiche Chance bekommen, zu beweisen, was sie können.

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