Persönliches Engagement trifft gesellschaftliche Wirkung
Seit 2009 bringt die BOOKBRIDGE-Stiftung verantwortungsvolle Führungskräfte aus etablierten Unternehmen mit Gründer:innen aus benachteiligten Regionen zusammen. Das Ziel: Gemeinsam neue, nachhaltige Sozialunternehmen aufbauen, die lokale Probleme lösen. Seit 2012 nehmen auch Hilti Teammitglieder an diesen Programmen teil, für die seit 2020 eine eigene EBB-Initiative ins Leben gerufen wurde. So wirkten im Mai 2025 auch Cinzia Estori und Markus Mühl an einem BOOKBRIDGE-Projekt in Sri Lanka mit. Dieses verbessert seither nicht nur nachhaltig Arbeit und Leben der dortigen Bevölkerung, sondern ermöglichte den beiden Hilti Mitarbeitenden auch neue Sichtweisen und Führungskompetenzen.
Auf den ersten Blick scheinen die Herausforderungen einer ländlichen Region Südasiens kaum etwas mit dem Tagesgeschäft eines international tätigen Konzerns in der Baubranche gemeinsam zu haben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der Austausch zwischen diesen beiden Welten kann wertvoll und gegenseitig fruchtbar sein. Für Carsten Rübsaamen, Mitgründer und Geschäftsführer von BOOKBRIDGE, braucht es dafür aber das richtige Mindset. Nicht zufällig zählt er daher Hilti zu seinen bedeutenden langjährigen Kooperationspartnern: „Das Unternehmen passt einfach perfekt zur Philosophie unserer Stiftung, weil es neben Unternehmergeist und Innovationskraft auch tagtäglich eine starke Kultur von Verantwortung lebt. Und genau diese Qualitäten bringen die Hilti Mitarbeitenden auch in unsere Programme ein.”
Mit messbarem Erfolg: Durch Unterstützung der Hilti Mitarbeitenden konnten bisher 20 Sozialunternehmen in 6 Ländern gegründet und über 300 unmittelbar daraus resultierende Jobs geschaffen werden. Darüber hinaus schuf man damit für tausende Menschen der Region bessere Einkommenschancen. Jahr für Jahr profitieren mittlerweile fast 90’000 Menschen von den Angeboten der mit Hilfe von Hilti Führungskräften gegründeten Sozialunternehmen. Was Carsten Rübsaamen dabei besonders freut, ist die nachhaltige Entwicklung, die eine wesentliche Grundlage der Arbeit von BOOKBRIDGE darstellt: „Von diesen 20 Sozialunternehmen existieren heute noch 17. Diese tragen sich mittlerweile selbst und zahlen, auch ihre zinslosen Darlehen zurück, die – wo nötig – von Investoren gewährt worden sind.”
Die gut funktionierende Zusammenarbeit ist keinesfalls eine Einbahnstrasse. Die teilnehmenden Hilti Mitarbeitenden nehmen aus den BOOKBRIDGE-Einsätzen wertvolle neue Sichtweisen und Führungskompetenzen mit ins Unternehmen zurück. Zwei, die diese Erfahrung bereits gemacht haben, sind Cinzia Estori, Sustainability Business Developer am Hilti Hauptsitz in Schaan, und Markus Mühl, Social Media Program Manager bei Hilti Frankreich. Der Marketingexperte fasst die Motivation für seine Teilnahme knapp und klar zusammen: „Ich sah in diesem Programm die Chance, mich persönlich weiterzuentwickeln und dabei gleichzeitig auch noch Menschen aus einer benachteiligten Region zu helfen.“
Nach erfolgreicher Bewerbung, Genehmigung der Vorgesetzten sowie Abstimmung mit der eigenen Abteilung reisten beide im Mai 2025 als Höhepunkt des insgesamt sechs Monate und mehrere Module umfassenden, berufsbegleitenden Programms für rund zehn Tage nach Sri Lanka. Dort ging es darum, gemeinsam mit Einheimischen ein Unternehmen zu gründen, das die Lebensbedingungen von rund 1’000 Bauernfamilien in Kathiraveli, einem kleinen Dorf an der Ostküste Sri Lankas, verbessern sollte.
„Unsere konkrete Aufgabe bestand darin, die lokale Unternehmerin Yalini Pushpakanthan dabei zu unterstützen, ein Geschäftskonzept zu entwickeln, bei dem sie und auch andere Bauern der Region nicht weiter von Zwischenhändlern ausgebeutet werden können”, beschreibt Cinzia Estori die Ausgangslage. Bisher zwang nämlich etwa das Fehlen von Lagermöglichkeiten die örtlichen Bauern dazu, ihre Ernte sofort zu verkaufen, ohne Chance, bessere Preise aushandeln zu können. Häufig fehlte den Bauern in Folge auch das Geld, um Saatgut und Düngemittel für die nächste Erntesaison zu finanzieren. Das bedeutete wiederum, Kredite zu sehr hohen Zinsen aufnehmen zu müssen. Ein wahrer Teufelskreis, der die regionale Armut noch befeuerte.
Die Lösung dieses Problems sollte innerhalb weniger Tage gemeinsam mit einem lokalen Team und den betroffenen Bauern erarbeitet werden. „Wir haben schliesslich drei Geschäftsbereiche definiert: eine Genossenschaft, eine Akademie und einen Marktplatz. Zu Beginn war ich mit der Gründung der Genossenschaft beschäftigt, damit diese der Bauerngemeinschaft faire Preise für ihre Ernte zahlen, Saatgut und Düngemittel zu besseren Konditionen anbieten und im Bedarfsfall auch zinslose Darlehen gewährt kann”, erinnert sich Cinzia Estori. „Meine Aufgaben waren zunächst in den Bereichen Business Case und Finanzen, in denen ich stark bin und die mir auch Spass machen. Später verliess ich allerdings ganz bewusst meine berufliche Komfortzone, indem ich eine Rolle im HR-Team übernahm. Dort erstellte ich die Organisationsstruktur im Unternehmen, setzte Verträge für neue Mitarbeiter auf und entwarf auch einen Lernplan für unsere Geschäftsführerin Yalini.”
Markus Mühls Tätigkeitsfelder in Sri Lanka waren hingegen andere: „Ich verwaltete die Finanzen des Wochenmarktes, war aber vor allem damit beschäftigt, die einzelnen Bauern zusammenzuführen und miteinander zu vernetzen. Ausserdem hielt ich die Investoren über den Fortgang des Projekts auf dem Laufenden. Das alles war gerade zu Beginn aufgrund der sprachlichen Barrieren und zum Teil auch technischer Schwierigkeiten gar nicht so einfach.“
Arbeiten, die in kurzer Zeit viel persönlichen Einsatz von den Hilti Führungskräften forderten, aber rasch Früchte trugen: Seit Mai 2025 findet mittlerweile zweimal wöchentlich in Kathiraveli ein Markt statt, an dem lokale Bauern ihre Produkte direkt verkaufen können. Nur zwei Monate später wurde zudem die Geschäftsidee zwei Investoren vorgestellt, welche die gesamte geplante Investitionssumme von 15’000 € als zinsloses Darlehen zur Verfügung stellten. Und insgesamt 15 lokale Bauern konnten bereits mit Saatgut und Düngemitteln zu günstigen Konditionen unterstützt werden. Konkrete Ergebnisse, die Cinzia Estori noch im Nachhinein erstaunen: „Ich hätte nie gedacht, dass man in so wenigen Tagen ein Unternehmen gründen und damit auch erste Erfolge feiern kann. Und dies, obwohl man als frischer Programmteilnehmer zunächst ja erst die Prozesse einer Gemeinschaft verstehen lernen muss und wie diese auf verschiedene Themen und Ideen überhaupt reagiert.”
Was nimmt man als erfahrene Hilti Mitarbeitende aus dem insgesamt sechs Monate umfassenden Programm und den mittendrin besonders intensiven zehn Tagen in Sri Lanka eigentlich mit nach Hause? „Diese BOOKBRIDGE-Erfahrung hat definitiv meine Vorstellung geschärft, welche Art Führungskraft ich in Zukunft sein will. Konkret möchte ich an drei Punkten arbeiten: Ich will meine Ziele klarer definieren, stärker als bisher eine gemeinsame Vision mit meinem Chef und meinem Team entwickeln und letztlich auch meine Kommunikationsfähigkeiten verbessern. All das hilft, Menschen anzuziehen, die dasselbe Ziel verfolgen und die eigene Vision auch teilen.”
Markus Mühl ergänzt noch in Richtung seiner Hilti Arbeitskollegen: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich für ein BOOKBRIDGE-Programm zu bewerben und den Terminkalender dafür frei zu machen. Man eignet sich nicht nur innerhalb kürzester Zeit neue Fähigkeiten an, man profitiert auch enorm von der Zusammenarbeit mit den teilweise aus ganz anderen Berufssparten kommenden Projektpartnern.“
Aktuell ist BOOKBRIDGE in 18 Ländern auf 4 Kontinenten mit eigenen Programmen tätig – unter anderem in Sri Lanka, Kambodscha, Indien, Marokko, der Mongolei, aber auch in Polen, Grossbritannien und der Schweiz. Programme werden prinzipiell überall dort lanciert, wo die Nachfrage nach unternehmerischen Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen besonders gross ist. Zu den wesentlichen Aufgaben, welche die Stiftung zu bewältigen hat, zählt aktuell unter anderem die Vernetzung der mittlerweile 170 Sozialunternehmen, die man im Lauf der letzten Jahre erfolgreich gegründet hat. Damit will man nicht nur deren soziale Wirkung weiter verstärken und skalieren, sondern auch die Qualität der Leadership-Programme hochhalten.
BOOKBRIDGE-Geschäftsführer Carsten Rübsaamen setzt dabei auch auf die Fortsetzung und den Ausbau der guten Zusammenarbeit mit Hilti: „Unsere Vision ist es, dass gerade solche Vorzeigeunternehmen wie Hilti weiterhin ihre Verantwortung für die Gesellschaft systematisch mit ihrer Führungskräfteentwicklung verbinden – und damit eine neue, zeitgemässe Form von Wirtschaft und Leadership prägen.”