Starthilfe ins Berufsleben

Der asiatische Inselstaat Sri Lanka wurde in der jüngeren Vergangenheit mehrfach hart auf die Probe gestellt. So musste dieser 2004 neben den ohnehin bestehenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen auch noch die Folgen eines verheerenden Tsunamis bewältigen. Was damals mit einer Spende der Familie Hilti und der Hilti Gruppe begann, ist heute eine bedeutende EBB-Initiative: die Unterstützung eines in Monaragala ins Leben gerufenen Berufsausbildungszentrums.

«Der Distrikt Monaragala zählt zu einer der ärmsten Regionen im Land. Aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln gibt es daher gerade für Jugendliche kaum Ausbildungsstätten und damit auch keine Fachkenntnisse, um eine angemessene Arbeit zu finden», beschreibt Divakar Ratnadurai, Direktor der SOS-Kinderdörfer in Sri Lanka, die schwierige Ausgangslage. «So kamen wir 2007 auf die Idee, als Erweiterung des Kinderdorfes in Monaragala ein Berufsausbildungszentrum für Jugendliche zu gründen, die entweder bei uns aufgewachsen sind oder aus benachteiligten Familien stammen. Und Hilti und ihre Mitarbeitenden unterstützen uns seither, um die Infrastruktur wie geeignete Unterrichtsräume und Werkstätten zu finanzieren sowie durch die Bereitstellung von Werkzeugen und Schulungsausrüstung.»

SOS VTC unterstützt junge Menschen im Alter von 17 bis 24 Jahren aus der Region bei der Vorbereitung auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Aktuell bietet dieses Vocational Training Centre des SOS Kinderdorfes in Monaragala – kurz: SOS VTC – Ausbildungen für mehrere Berufsgruppen an: Informations- und Kommunikationstechniker, Elektriker, Schweisser, Holzhandwerker, Kfz-Mechaniker sowie Bäcker und Konditor. E  ine Ausbildung zur Pflegekraft wird aufgrund der starken Nachfrage zusätzlich noch im Laufe des Jahres 2025 angeboten. Neben der Nachfrage auf dem Jobmarkt gibt es aber noch andere Grundsätze, welche die Ausrichtung bestimmen.

«Wir wollen selbstverständlich auch den Interessen der Jugendlichen Rechnung tragen. Ausserdem achten wir darauf, unsere Ausbildungen auf dem möglichst letzten Stand der sich ständig weiterentwickelnden Technologie zu halten sowie durch Industriepartnerschaften unsere Lehrpläne an deren Standards anzupassen», erklärt Divakar Ratnadurai.

Auf dieser Basis wurde das Programm erweitert – über die reine Berufsausbildung hinaus. So entstand etwa ein Projekt, das ökologische Nachhaltigkeit fördert, indem Teilnehmende lernen, wie sie mit organischen Düngemitteln, Regenwassernutzung und dürreresistenten Pflanzen ihre Hausgärten umweltfreundlich bewirtschaften können . Weitere Kurse haben Erste Hilfe, Brandbekämpfung oder das Katastrophenmanagement zum Inhalt. Neben dem damit verbundenen oft lebensrettenden Wissen werden auch das Verantwortungsbewusstsein gefördert sowie Resilienz, Vorsorge und Führungsqualitäten aufgebaut. Thematisch ganz anders gelagert, aber ebenso wichtig ist ein Programmangebot zur Vermittlung von Finanzwissen. Es soll den Jugendlichen jene Grundlagen bieten, um selbst finanzielle Entscheidungen treffen, Ressourcen effektiv verwalten und so letztlich eine stabile Zukunft sichern zu können.

Die Zielgruppe, die das umfassende Angebot des SOS VTC nutzt, ist schnell umrissen: In der Regel handelt es sich um 17- bis 24-jährige Jugendliche und junge Erwachsene aus der Region, die vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt stehen. Diese stammen entweder direkt aus dem SOS-Kinderdorf, alternativen Betreuungseinrichtungen oder einkommensschwachen Familien. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Schulabbrecher gelegt.

Jugendliche, die aus abgelegenen Gebieten kommen, können die Unterkünfte vor Ort nutzen. Diese Unterkünfte bieten ein sicheres Umfeld und ermöglichen – über die Ausbildungsprogramme hinaus – den Aufbau von sozialen Kontakten und Freundschaften. Zudem unterstützt man die Jugendlichen bei der Suche nach geeigneten Praktika, Lehrstellen und bei der Jobvermittlung. 

Leuchtende Augen bekommt Divakar Ratnadurai, wenn er an die Erfolgsgeschichten denkt, die durch das SOS VTC bereits geschrieben werden konnten. «Ein besonders schönes und inspirierendes Beispiel ist etwa der Werdegang eines Schülers, der bei uns eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolvierte. Nach seinem Abschluss bekam er zunächst eine Anstellung bei einem grossen Kfz-Serviceunternehmen und kletterte dort schnell die Karriereleiter hoch. Heute besitzt er eine kleine Werkstatt, kann seine ganze Familie versorgen und beschäftigt mittlerweile sogar einige Mitarbeiter. Und was besonders schön ist: Er betreut nebenbei auch noch Auszubildende von uns», freut sich der Direktor des SOS VTC.

Die bereits seit vielen Jahren anhaltende Unterstützung durch die Hilti Mitarbeitenden ist für den Erfolg der Programme enorm wichtig. «Durch diese Kooperation wird unter anderem sichergestellt, dass das SOS VTC durch hochwertige Einrichtungen und Werkzeuge eine moderne und branchenrelevante Ausbildung bieten kann, was wiederum Schüler und Lehrkräfte Tag für Tag aufs Neue motiviert. Aus benachteiligten Jugendlichen können so qualifizierte Arbeitskräfte werden, die sowohl im Inland als auch im Ausland beschäftigt werden können», weiss Divakar Ratnadurai. Die finanzielle Unterstützung ist zudem ein Garant für die nachhaltige Sicherung des Betriebes und die Vergabe von Stipendien.

Auch für die Zukunft verfolgt das SOS VTC klare Ziele. «Wir wollen das Ausbildungsprogramm nicht nur auf neue Sektoren wie erneuerbare Energie, Tourismus oder auch digitale Kompetenzen ausweiten, sondern den jungen Menschen darüber hinaus auch jenes Rüstzeug in die Hände geben, das diese über reines Fachwissen hinaus benötigen», erklärt Divakar Ratnadurai. «Dazu zählen eine grundlegende unternehmerische Ausbildung und die Förderung der Selbstständigkeit – gerade, wenn der formelle Arbeitsmarkt gesättigt ist und freie Arbeitsplätze rar sind.» Um dem frühzeitig entgegenzuwirken, baut man von Seiten des SOS VTC auch verstärkt Partnerschaften mit lokalen und internationalen Unternehmen auf, um geeignete Praktika und Stellen für die Absolventen anbieten zu können.

Das SOS VTC ist nicht zuletzt dank der Unterstützung von Hilti und den Hilti Mitarbeitenden ein gelungenes Beispiel dafür, wie Hilfe zur Selbsthilfe funktionieren kann. Und dass selbst nach einem zerstörerischen Tsunami berufliche Erfolgswellen folgen können.

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